Alternative Musiksendung
Mittwoch 10.05.2006 14:00 - 15:00

Bild zur Sendereihe
ÜBER DIE SENDUNG

new noize


die party- und veranstaltungsreihe "new noize" hat vor kurzem ihr 6-jaehriges bestehen gefeiert. wir werfen einen blick hinter die kulissen und werden auf die naechste party eingehen.

new noize
freitag, 12.5.2006
shelter, wien 20
live: kimera, object x

Die Playlist umfasst diesmal einen kleinen Auszug der Bands, die schon mal bei uns dabei waren. Refused gehört leider nicht dazu...

Refused / New noise
JM Kanes / In the name of…god?
Naca7 / Pitch black
Monoflop / Am Morgen danach
Stay-due-beauty / What´s the base
Dynamo99 / (Ein) Abend wie dieser
Side Effect / Dirty place
Ineé / Golden beams
No head on my shoulders / Pulp fiction
Kpunkt / 2 Akkorde für die Uhr
Dump / Was immer
Kimera / The beach


Und wer es ganz genau wissen will:

New Noize: 6 Jahre, 36 Partys, 38 verschiedene Live-Acts

Im ländlichen Bereich als eine Art „alternativer“ Jugendlicher aufzuwachsen bietet im Hinblick auf Wochenende, Ausgehen und Tanzen nicht immer die besten Möglichkeiten. Wien ist weit und unerreichbar. Glücklich können sich die Orte schätzen, die einen Indie-Schuppen ihr eigen nennen – doch die sind dünn gesät. So mangelt es in Stockerau und Umgebung zwar nicht an Discos, Partys und Lokalen, doch diese sind einer alternativen Schiene wenig zugetan.

Was in meiner Jugend in besagter Umgebung fehlte, war eine reine „alternative music“ Veranstaltung. Und als ich schon längst kein Jugendlicher mehr war, wurde eine solche geschaffen.

Die Lücke füllte ab April 2000 eine Party-Reihe namens „New Noize“, benannt nach dem fast gleichnamigen Stück der schwedischen Brachial-Punker Refused. Zu dritt begannen Toni, René und Martin nach einem Probelauf im privaten Rahmen im Café Kino in Bisamberg am 8. April 2000 mit unerwartetem Erfolg ihre Idee einer Party in die Tat umzusetzen.
„Do it yourself“ lautete das Motto der ersten Stunde: die Flyer waren einfache, einfärbige Computerausdrucke, verteilt in Lokalen und unter Bekannten, aufgehängt auf Bahnhöfen in der Umgebung. Kassapersonal und „Security“ wurden aus dem Freundeskreis rekrutiert. Die auf den Veranstaltungen mit einer normalen Kamera aufgenommen Bilder wurden eingescannt und auf die Homepage gestellt, natürlich in miserabler Qualität. Aufgetreten sind meist Bands aus der näheren Umgebung oder gute Bekannte der Veranstalter.
Doch der Erfolg war überwältigend: bis zu 500 Gäste kamen an einem Abend, und das in Räumlichkeiten, die kleiner als das B72 waren.

Nicht immer war es einfach: Als das Problem mit plötzlich immer mehr erscheinenden „Rechten“ immanent wurde, begann man „professionelle“ Securities zu engagieren. Als die Rechten Nazi-Lieder sangen, fanden das die Securities nicht weiter schlimm – und weigerten sich, diese hinaus zu schmeißen. Probleme bereiteten naturgemäß auch die Anrainer, die sich zu Recht in ihrer Ruhe gestört fühlten. Das Café lag mitten im Ort und eine Menge sich auf den Straßen aufhaltender Jugendlicher konnte unmöglich ununterbrochen überwacht und belehrt werden („Bitte hier nicht sitzen, bitte nicht in den Garten pinkeln, bitte woanders kotzen, ..“). Die Nachbarn wurden deshalb von den Betreibern des Cafés regelmäßig mit Naturalien „geschmiert“. Als es der Gemeinde dann doch zu bunt wurde, ließ sie seitens der Bezirkshauptmannschaft eine Begehung durchführen.
New Noize zog sicherheitshalber um.

Erste Station war das Gasthaus „Zur Heidi“ in Tresdorf – ein Dorfwirt im klassischen Sinn. Nach dem dritten Fest verschwand die Inhaberin mitsamt den Einahmen und tauchte nie mehr auf. Das war auch weiter nicht schlimm, denn die im Rudel herumlaufenden Rechten wirkten sich negativ auf die Besucherzahlen aus. Nächste Station war der CultureX-Club in Nitzing bei Tulln, eine „alternative location“. Der Festl-Charakter trat in den Hintergrund, die Besucherzahlen sanken, das Stammpublikum blieb aus. Tulln liegt jenseits der Donau, das bedeutete für viele eine ideologisch-geographische Hürde. Auch andere Locations wurden ausprobiert (in Stockerau und Leobendorf), doch die erwiesen sich als mehr oder weniger ungeeignet.

Mit dem Shelter wurde in Wien eine neue Heimat gefunden, aber es dauerte, bis die Veranstalter auch geistig in Wien ankamen. Glaubte man nämlich nach anfänglich guten Erfolgen die altbewährte Schiene fortführen zu können – Bands aus dem heimatlichen Umfeld spielen zu lassen, die automatisch einen Fixbetrag für ihren Auftritt erhalten – war bald klar, dass das so nichts bringt. Mehr oder weniger unbekannte Bands aus dem Bezirk Korneuburg interessieren kaum in Wien. Deshalb wurde verstärkt auf die (Wiener) Indie-Szene und bekanntere Acts gesetzt (z.B. Dynamo99, Kpunkt, Dump) – mit wechselndem Erfolg. Die von den Machern herbeigesehnte Vorhersehbarkeit der Dinge (nämlich der Besucherzahlen) trat nicht ein, jede Party birgt bis heute Spannung.

Schließlich wurde das Konzept noch mal geändert: die auftretenden Bands tragen jetzt ebenfalls Verantwortung für den Ausgang des Abends und steigen gegebenenfalls ohne Gage aus. (Wobei klar ist, dass damit bloß unbekanntere Acts angesprochen werden können.). Das Konzept allerdings ging auf, die BesucherInnenzahlen sind sehr zufrieden stellend.

Und das soll auch in Zukunft so sein.

Eine Sendereihe von: René Fuchs, martin zellhofer

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